Samstag, 23 Mai 2026 13:18

Pickup-Fahrer in der Schweiz: Welche Zusatzausbildungen wirklich Sinn ergeben

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Beim Kauf eines Pick-ups denken die meisten vor allem an Zuladung, Anhängelast und Geländetauglichkeit. Was dabei oft vergessen wird: Ein solches Fahrzeug bringt rechtliche und fahrpraktische Anforderungen mit sich, die über den normalen Führerschein der Kategorie B hinausgehen. Das gilt für einen Wohnwagen hinter einem Ford Ranger ebenso wie für eine Offroad-Tour in den Alpen oder einen vollbeladenen Pritschenaufsatz.

Der Pflichtunterricht als Basis: Was der VKU mit dem Einstieg ins Fahren zu tun hat

Bevor es um Erweiterungen geht, lohnt ein Blick auf das Fundament der Schweizer Fahrausbildung: der Verkehrskundeunterricht (VKU). In der Schweiz ist VKU vor der praktischen Fahrprüfung Pflicht. Der Kurs dauert acht Stunden und wird in vier Blöcken zu je zwei Stunden durchgeführt. Er beschäftigt sich mit Gefahrenwahrnehmung und -verhütung, dem richtigen Verhalten im Verkehr und dem sicheren Fahren im Strassenverkehr.

Eine Reform, die genau damit beginnt, tritt am 1. Januar 2027 in Kraft: Dann wird der VKU in Zürich oder anderen Städten nicht mehr erst nach der Basistheorieprüfung, sondern vorher absolviert. Die Kursinhalte werden um Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren erweitert, und die Verordnung wird erstmals rechtsverbindlich Grundlage der Ausbildung durch das Bundesamt für Strassen.

Für Pickup-Fahrer ist dieser Kurs nicht nur Pflicht, sondern auch eine sinnvolle Grundlage. Pickup-Trucks reagieren durch ihr höheres Gewicht, den verlängerten Radstand und die veränderte Gewichtsverteilung anders als ein normaler Personenwagen. Das Bewusstsein für Fahrzeugdynamik und Gefahrensituationen beginnt im theoretischen Unterricht.

Kategorie BE: Ohne die stimmt die Anhängelast oft nicht

Der Standardführerausweis der Kategorie B erlaubt das Mitführen eines Anhängers bis zu einem Gesamtgewicht von 750 Kilogramm, sofern das Gesamtzuggewicht der Kombination 3500 Kilogramm nicht übersteigt. Klingt grosszügig, ist in der Praxis aber schnell erreicht. Ein Pferdeanhänger, ein beladener Bootsanhänger oder ein mittelgrosser Wohnwagen überschreiten diese Grenze regelmässig.

Sobald das Gesamtzuggewicht über 3500 Kilogramm steigt oder der Anhänger schwerer ist als das Leergewicht des Zugfahrzeugs, wird die Kategorie BE zur Pflicht. Die Erweiterung setzt den bestehenden Führerausweis Kat. B voraus, das Mindestalter liegt bei 18 Jahren. Wer einen schweren Pickup mit einem Anhänger der oberen Gewichtsklasse betreibt, kommt an BE nicht vorbei. Bei Kontrollen wird der Fahrzeugausweis des Anhängers mit dem Führerausweis des Fahrers abgeglichen.

Der Unterschied beim Fahren ist spürbar. Rangieren mit Anhänger, Bremswege bei Bergfahrten, Kurvenverhalten bei Seitenwind. All das verlangt eine separate Prüfung und in der Regel mehrere Fahrstunden bei einer zugelassenen Fahrschule. Wer diese Erweiterung ohne Vorbereitung angehen will, sollte zumindest einige Übungseinheiten mit dem konkreten Fahrzeuggespann einplanen.

Offroad-Kurse: Fahrtechnik, die kein Führerschein vermittelt

Wer seinen Pickup im Gelände einsetzt, kommt beim Selbstlernen schnell an die Grenzen. Böschungswinkel, Differenzialsperren, Untersetzungsgetriebe, Wassereinfahrten und richtiges Verhalten bei Schräglagen sind einfach Themen, die kein normaler Fahrschulunterricht abdeckt.

In der Schweiz tummeln sich mehrere Anbieter für spezielle Offroad-Fahrkurse, die sich konkret an Geländewagen und Pickup-Fahrer wenden. Typische Grundkurse dauern einen bis zwei Tage und bieten Theorie und Praxis auf abgesperrtem Gelände. Böschungswinkel, Radlastverteilung, Differenzialsperren und richtige Einsatz der Geländereduzierung werden behandelt, ebenso Bergab- und Schräglagenfahrten. In der Regel gibt es ein Kurszertifikat. Etwas geübte Fahrer können mit Aufbaukursen weitermachen, die mehrere Tage dauern und im freien Gelände stattfinden.

 

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